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aktualisiert am 27.01.2010
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Presse / Archiv - Freier Blick auf Frauenkirche in Dresden

 

Artikel aus "Die Welt" zum Terrassenufer Dresden

Dresden schafft freien Blick auf die Frauenkirche

Dresden -

Sachsens Landeshauptstadt räumt die Sicht auf die Frauenkirche frei. Platte um Platte, Etage um Etage stürzt das alte Stasigebäude am  Neumarkt in sich zusammen. Bis zur Weihe der neu errichteten  Frauenkirche am 30. Oktober soll der einst von barocken Bürgerhäusern  gesäumte Platz freigeräumt sein. Die Stadt rechnet mit einem Ansturm  von 100 000 Schaulustigen. Und auch am Terrassenufer, wo der Blick auf die historische Stadtsilhouette durch Hochhäuser verstellt wird, sind seit Anfang dieser Woche die Abbruchwerkzeuge der Leipziger Firma Caruso im Einsatz.
Oberbürgermeister Ingolf Roßberg (FDP) ließ es sich nicht nehmen, den Einsatzbefehl selbst zu geben. Was in anderen Städten vielleicht eine Fußnote gewesen wäre, wird im einstigen Elbflorenz zum symbolischen Akt von weitreichender Bedeutung für das Selbstverständnis der Stadt. "Wir vollziehen hier den Schritt von der sozialistischen Großstadt zur Bürgerstadt Dresden", sagte das Stadtoberhaupt und erinnerte daran, daß zu DDR-Zeiten ganz Dresden von einem Kranz "sozialistischer
Hochhäuser" eingerahmt werden sollte. Tatsächlich hat der Schweizer Kommunist Hans Schmidt (1893-1972) die Hochhäuser am Dresdner Terrassenufer in zahlreichen Entwurfsskizzen als prägend für den Begriff "sozialistischer Städtebau" bezeichnet. Er, der schon 1927 behauptet hatte, Bauen habe nichts mit "Kunst" zu tun, war 1956 zum Chefarchitekten des industrialisierten Bauens in der DDR berufen worden und leitete seit 1963 das DDR-Institut für Städtebau und Architektur. Ein Jahr später entstanden die Hochhäuser, deren erstes jetzt verschwindet.
"Die Hochhäuser am Terrassenufer müssen weg", bekräftigte jetzt OB Roßberg und kündigte an, daß auch das Nachbarhaus, ein Hotel, "noch während meiner Amtszeit zurückgebaut" werden solle. Die Freiflächen mit Elbblick sollen dann mit niedrigeren Häusern wie in der Vorkriegszeit bebaut werden. Auch am Neumarkt wachsen die Brachen bereits mit neuen "Barockquartieren" zu. An jener Stelle, an der der Staatssicherheitsdienst das jetzt zum Abbruch freigegebene Gebäude errichtet hatte, werden ganze Straßenzüge mit mehreren "Leitbauten" entstehen, die ihre historischen Fassaden zurückerhalten.

gur.